Das
Aquarium mit einheimischen Fischarten ist zur Zeit so gut wie ganz in Vergessenheit
geraten.
Welcher Junge fängt sich heute noch Stichlinge im Bach und hält diese zu Hause, abgesehen davon, daß er es ohne besondere Erlaubnis gar nicht darf?
Ja, wo gibt es überhaupt noch Stichlinge, Bitterlinge, Mühlkoppen und andere Kaltwasserfische?
Im Fachhandel gibt es sie selten oder überhaupt nicht zu kaufen.
Ab und an findet man einige kleine Weißfische, z. B. Plötzen in Angelsportgeschäften als Köderfische, aber Plötzen eignen sich als Aquarienfische im eigentlichen Sinne nicht.
Stichlinge kommen in klaren, sauberen Wiesenbächen vor, in kleinen Teichen, z. B. in städtischen Anlagen und deren Entwässerungsgräben. Sie benötigen Lebendfutter und sind mit einem 20 cm breitem Netz relativ einfach zu fangen.
Wo Bitterlinge vorkommen, muß es auch die Malermuschel geben, denn die Bitterlinge brauchen diese zu ihrer Fortpflanzung. Die Malermuschel kommt nur in sauberen Gewässern mit schlammigem Bodengrund vor.
So kommen z. B. im Dümmersee/Niedersachsen Malermuscheln vor, wahrscheinlich wird es dort auch Bitterlinge geben. Im Dümmersee kann man keine Bitterlinge fangen, da alles unter Naturschutz steht. Einige Züchtereien von Kaltwasserfischen haben sich auf die Zucht von Aquarienfischen spezialisiert. Wenn man sich bemüht, kann man also noch solche Fische erwerben.
Ein Kaltwasserbecken mit einheimischen Fischarten bietet vor allem Probleme, weil es in unseren Wohnungen zu warm wird; die Fische vertragen diese hohen Temperaturen und den meist damit einhergehenden Sauerstoffmangel nicht.
Solch ein Kaltwasserbecken könnte man sehr schön mit einheimischen Wasserpflanzen, wie Pfeilkraut, Wasserpest, Flutendem Hahnenfuß und Vallisnerien einrichten.
Im Frühjahr, mit höher steigender Sonne und wärmeren Temperaturen, können wir im Kaltwasserbecken die Balz- und Laichspiele mancher einheimischen Fische beobachten.
Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich mehr Aquarianer diesem Gebiet zuwenden würden. Es erfordert jedoch viel Fachwissen und mehr Können als das Gebiet der Warmwasseraquaristik.
Die Verschmutzung unserer Gewässer nimmt hoffentlich in Zukunft in zunehmendem Maße ab, weshalb es lohnen würde, einige jetzt vom Aussterben bedrohte Fischarten über die nächsten zehn Jahre hinwegzuretten und dann in ihre heimischen Gewässer wieder auszusetzen.
Das sollte man natürlich nicht wahllos tun, sondern in Zusammenarbeit mit den örtlichen Fischereivereinen oder mit dem Angelverein, der über die Bestimmungen Bescheid wissen müßte.
In einer sogenannten Roten Liste der Fischfauna Deutschlands findet man die Arten, die für den Aquarianer interessant sind und an deren Überleben er mitarbeiten kann:
1 . Auf lange Sicht vom Aussterben bedrohte Arten:
Schneider (Alburnoides bipunctatus)
2. Stark gefährdete Arten:
Groppe, Schlammpeitzger, Bachschmerle, Elritze, Bitterling
3. Gefährdete Arten:
Giebel, Dreistachliger Stichling, Kaulbarsch, Moderlieschen, Zwergstichling
Alle anderen gefährdeten europäischen Wildfischarten vermag der Aquarianer wegen ihrer Größe nicht im Becken zu halten.
Wer sich mit der einheimischen Fischfauna näher befassen will, dem empfehlen wir das Heftchen "Bestandsänderungen der Fischfauna in der Bundesrepublik Deutschland" von Rüdiger Bless, ISBN 3921427-57-6, erschienen im Kilda-Verlag, 48268 Greven.
Wer behauptet, die einheimische Fischfauna biete nichts Neues mehr, der irrt. Sie bietet uns die Befriedigung, etwas für ihren Schutz tun zu können, um die Arten für zukünftige Generationen zu erhalten.
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