Bis 1945 wurde nur ein bestimmtes Sortiment von Aquarienfischen bei uns gezüchtet. Die meisten Tiere waren damals Wildimporte. Heute werden nahezu 90 Prozent aller in Aquarien gehaltenen Fische in Asien und dort insbesondere in Hongkong, Thailand, Singapur, Taiwan und Japan gezüchtet. Für den amerikanischen Markt werden größere Mengen, insbesondere Lebendgebärende Zahnkarpfen, in Florida gezüchtet. Deutschlands größte Zierfischzüchterei in Bad Lauterberg züchtet etwa eine Million Ziertische jährlich. Auf der ganzen Welt werden schätzungsweise im Jahr über 300 Millionen Zierfische gezüchtet und vielleicht 30 Millionen Zierfische wild gefangen.
Die
Wildfänge sind insbesondere die Arten, die sich im Aquarium nicht leicht
nachzüchten lassen. Dazu gehören der Rote Neon, viele Corydoras-Arten,
der Feuerschwanz, Epalzeorhynchos bicolor, die Prachtschmerle, Botia macracanthus
(Asien), und eine ganze Anzahl seltenere Arten, für die besonders der fortgeschrittene
Aquarianer aufgeschlossen ist, der sich immer wieder Neuheiten wünscht,
um vielleicht Zuchtmethoden, Verhaltensweisen und ähnliches auszuprobieren
und zu beobachten,
Von den ca. 25 000 bekannten Fischarten dürften etwa 8.000 als Süßwasseraquarienfische geeignet sein. Das ist eine verhältnismäßig hohe Artenzahl, wenn man bedenkt, daß nur etwa 1200 1300 Arten mehr oder weniger regelmäßig importiert werden. Davon züchtet man bereits über 1000 Arten in Aquarien und Freilandanlagen nach! Und ständig kommen noch neue, nachzüchtbare Arten hinzu. Der Zierfischnachzucht gebührt ein hoher Anteil an der Arterhaltung in der Natur. Der Natur entnommene Fische wachsen bei intakten Ökosystemen schnell wieder nach, da sie Platz und Nahrung für die Nachkommen schaffen. Leider sind die Verhältnisse in den Tropen auch für Fische durch Brandrodung und Gewässerverschmutzung, Staudammbau etc. in den letzten Jahren zunehmend schlechter geworden, Um so mehr müssen wir Aquarianer durch Nachzucht eine gezielte Arterhaltung betreiben.
Bei den einzelnen Fischbeschreibungen steht unter meist ein Hinweis, wenn die
Art hauptsächlich als Nachzucht wiederholt in den Handel gelangt. Anfänger
sollten sich ausschließlich auf solche Arten konzentrieren.
Im Gegensatz zu vielen Korallenfischen ist eine große Anzahl von Süßwasserfischen
im Überfluß in der Natur vorhanden. Der Rote Neon zum Beispiel stirbt
während nahrungsarmer Trockenperioden zu Millionen ab. In der Natur wird
dieser Fisch meist nicht mehr als ein, maximal zwei Jahre alt; im Aquarium dagegen
kann er zehn Jahre und älter werden. In den weiten Gewässern des brasilianischen
Urwaldes kann man eine Fischart praktisch nicht ausrotten. Ausnahmen sind vielleicht
verschiedene Diskusarten, die nachts mit der Taschenlampe gefangen werden. Unvernünftige
Fänger fangen den Diskusschwarm vollständig weg, Besser wäre
es, wenn zwei bis sechs Tiere von einem 20 - 30 Köpfe zählenden Schwarm
zur Vermehrung übrigbleiben würden, aber auf solche naturschützenden
Ratschläge in den Herkunftsländern hat der Aquarianer ohnehin keinen
Einfluß, und der Zierfischfänger wird dieses Buch kaum jemals lesen
können. Dem Anfänger könnte der Hinweis lediglich als Anregung
dienen, sich nicht gerade an wildgefangenen Diskus zu versuchen.
Dank verbesserter Transportmethoden, dem richtigen Futter bereits am Fangplatz
und verbesserter Hälterungsbedingungen ist es gelungen, die Verlustrate
bei wildgefangenen Süßwasserfischen von früher über 50%
auf heute durchschnittlich unter 10% zu senken.
Bei den gezüchteten Fischen aus Asien sind die Verlustraten bestimmt ebenso
hoch wie bei den Wildfängen; denn bei der engen Hälterung kommt es
weitverbreitet zu Krankheiten, Wer als Zierfischimporteur nicht versteht, diese
Krankheiten zu erkennen und gezielt zu behandeln, muß ebenso hohe Verluste
hinnehmen wie bei Wildfängen. Eine zwei- bis dreiwöchige Quarantänezeit
müssen alle importierten Fische durchmachen, damit in den Zierfischhandel
nur bereits weitgehend gesunde Fische gelangen. Nur dann kann der Liebhaber
sicher sein, von seinem Händler gesunde Tiere zu erhalten. Es gibt bereits
Zierfischgroßhändler und -importeure, die Zierfische mit Gesundheitsgarantie
an den Handel liefern. Natürlich kann man solche Fische nicht mit einem
Etikett kennzeichnen, aber Sie sollten Ihren Händler fragen, ob er solche
Fische mit Gesundheitsgarantie auch an Sie verkauft.
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